Internetseite von Jörg Zink
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Das Geschenk eines jeden Tages

Ein Gedanke für heute, 14. September

Die Wahrheit ist ein Licht. Wahrheit stellt man auf einen Leuchter. Wahrheit lässt man strahlen. Die Wahrheit ist kein Knüppel. Mit Wahrheit schlägt man nicht zu. Wer mit der Wahrheit zuschlägt, hat nicht die Wahrheit als Waffe in der Hand, sondern sein eigenes ungereinigtes Wesen.

Wahrheit macht frei, Wahrheit fesselt nicht, Wahrheit engt nicht ein, Wahrheit nimmt Lasten ab, so gewiss Christus sagt: „Ich nehme euch eure Last ab.“ Ein Wort, das Christus einem Menschen eingibt, ist daran kenntlich, dass es irgendeinem Menschen eine Last abnimmt. Wahrheit ist, wo der Horizont weit und frei wird, wo die Probleme der Menschheit transparent werden, wo das Leid gesehen wird und die Angst sich löst.

Die Wahrheit ist keine Mauer, Wahrheit trennt nicht, das tun nur die kleinkarierten Wahrheiten der Menschen. Wahrheit ist ein Weg. „Ich bin der Weg“, sagt Jesus. Wahrheit ist eine Brücke. Die Wahrheit verkündigen heißt über die Brücke zu anderen Menschen hinübergehen, wie Christus hinübergehen über den tiefen Abgrund des Hasses.

Wie die Farben im Regenbogen, S. 165 f.

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12. September

Das Herz schaut anders in die Welt als der bloße Verstand. Offener. Aufnahmebereiter. Ehrfürchtiger. Es tut den Dingen keine Gewalt an. Es verbindet die Offenheit des Kindes mit der Weisheit des Alters. Es schreibt den Dingen und den Menschen nicht vor, wie sie zu sein hätten, sondern respektiert ihr inneres Gesetz. Es hat einen wachen Sinn für das Wesentliche und Wesenhafte.

Wo das Herz seinen Blick hinlenkt, da finden die Menschen und die Dinge ihre je eigene Freiheit. Es nimmt sie sozusagen behutsam „in beide Hände“, auch das an ihnen, was nicht stimmig ist, auch ihr Leid, ihre Angst, ihre Gefährdungen. Auf diese Weise kann das Herz in unserer Welt, wie sie nun einmal ist, kaum herrschen, wohl aber erlösend wirken. Entlastend. Ermutigend. Befreiend. Heilend.

Wenn wir Jesus zusehen, so verstehen wir, was es heißt, mit dem Herzen zu erkennen und mit dem Herzen zu agieren.

Die Goldene Schnur, S. 99 f.

13. September

Ehe die Sonne über dem Meer aufgeht, liegen Licht und Dunkelheit dicht ineinander. Himmel und Wasser sind eins.

Es ist schön, an einem Ufer zu stehen, ehe die Sonne aufgeht. Aber Klarheit entsteht erst, wenn das Obere sich trennt vom Unteren, der Himmel vom Meer, und wir uns selbst erkennen, stehend am Ufer.

Ehe Licht in unsere Wünsche kommt, können wir nicht scheiden zwischen dem, was für uns gut ist, und dem, was uns schadet, was in uns selbst gut ist und was böse und töricht, was in unseren Gedanken wahr ist und was Irrtum.

Es ist wichtig, darüber nachzudenken, denn wir können, solange wir das Glück nur wünschen und nicht wissen, wie es zu uns kommt, auch verlieren, was uns zugedacht ist.

Wo das Glück entspringt, S. 18 f.

Cover, Jörg Zink - Das Geschenk eines jeden Tages

Das Geschenk eines jeden Tages

Ein Jahresbegleiter

Innehalten und Nachdenken an jedem Tag des Jahres
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Die Einsicht, dass jeder Tag geschenktes Leben bedeutet, geht in der Hektik unseres Alltags leicht verloren. Mit einem Text für jeden Tag lädt dieser Jahresbegleiter ein, zur Ruhe zu kommen, Wesentliches zu bedenken und dann mit neuer Offenheit all dem zu begegnen, was der Tag uns schenkt.

Vergriffene neu bearbeitete und gestaltete Ausgabe 2015
des von Alexandra Reiter und Hildegunde Wöller
erstmals 2005 herausgegebenen Titels
Gebunden, 329 Seiten, 13 x 16,5 cm

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