Internetseite von Jörg Zink
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Das Geschenk eines jeden Tages

Ein Gedanke für heute, 10. April

Die Wandlung selbst hat viele Gestalten. Sie kann als Wachstum erscheinen, Wachstum von einem Zustand in den nächsten, vom Engeren zum Weiteren, vom Kleineren zum Größeren. Sie kann auch Wiederherstellung des Ursprünglichen sein, Heilung nach seiner Störung oder Zerstörung. Sie kann die Richtung meinen von einer undeutlichen Anfangsgestalt hin zu einer allmählich sich offenbarenden Zielgestalt.

Natürlich wird die Zumutung, ich solle an mir eine Wandlung geschehen lassen, Angst in mir auslösen. Ich will ja der sein, der ich bin. Aber ich muss sehen, dass ein Gutteil der Leiden, die einen Menschen durch sein Leben hin belasten, aus eben dieser Angst besteht und aus der angestrengten Abwehr gegen die notwendige Wandlung seines äußeren oder inneren Menschen.

Dornen können Rosen tragen, S. 251

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8. April

Das Wasser hat keine eigene Gestalt, aber ohne Wasser entsteht oder ändert sich keine lebendige Gestalt von Mensch oder Tier. Es leistet alles dadurch, dass es auf jede Art von eigenem Bestand, auf jedes eigene Wesen verzichtet.

Und so ist es selbst ein Hinweis auf den, von dem gesagt worden ist, er habe keine eigene Gestalt noch Schönheit und sei doch der Erlöser der Menschen. Ein Hinweis auf den, der sagt: „Wer sein eigenes Leben will, der wird es verlieren, wer es hingibt, wird es gewinnen und wird zur Quelle des Lebens werden für andere und so auch für sich selbst.“

Und dieses Gesetz gilt nicht erst für den Glauben, es ist ein Gesetz dieses Lebens überhaupt.

Wo das Glück entspringt, S. 26 f.

9. April

Was das Wasser mir sagt, hört sich so an:

„Wenn dir daran liegt, nicht zu vertrocknen, zu erstarren oder zu verkümmern, sondern immer wieder eine neue Gestalt zu gewinnen, dann achte darauf, dass du nicht deine eigene Gestalt meinst, sondern eine Gestalt des Daseins, die außerhalb deiner wächst und gedeiht und in die du dich eingibst. Indem du dich wandelst, bewirkst du das Bleibende.“

Ich aber, der Mensch, bin beides: das Wasser – und die Gestalt, die durch seine Arbeit entsteht. „Ich steige nicht zweimal in denselben Fluss“, sagt Heraklit. Das ist wahr – und doch bewahrt der Fluss durch die Jahrtausende hin seine Identität.

Dornen können Rosen tragen, S. 251

Cover, Jörg Zink - Das Geschenk eines jeden Tages

Das Geschenk eines jeden Tages

Ein Jahresbegleiter

Innehalten und Nachdenken an jedem Tag des Jahres
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Die Einsicht, dass jeder Tag geschenktes Leben bedeutet, geht in der Hektik unseres Alltags leicht verloren. Mit einem Text für jeden Tag lädt dieser Jahresbegleiter ein, zur Ruhe zu kommen, Wesentliches zu bedenken und dann mit neuer Offenheit all dem zu begegnen, was der Tag uns schenkt.

Vergriffene neu bearbeitete und gestaltete Ausgabe 2015
des von Alexandra Reiter und Hildegunde Wöller
erstmals 2005 herausgegebenen Titels
Gebunden, 329 Seiten, 13 x 16,5 cm

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