Internetseite von Jörg Zink
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Das Geschenk eines jeden Tages

Ein Gedanke für heute, 15. Juli

Für manche von uns beginnt das Jenseits, wo von Gott die Rede ist, und Gott ist für sie „drüben“.

Für andere ist Gott nahe in den täglichen Erfahrungen, also im „Diesseits“. Sie sagen: „Gott ist bei mir“, und haben recht. Denn für alle ist das Diesseits so groß wie die Erfahrungen, die sie machen, und so groß wie die äußere und innere Welt, in der sie leben.

Es gibt nicht zwei Welten. Es gibt nur eine Welt. Und von ihr nehmen wir verschieden viel wahr. Für die einen beginnt das Jenseits vor der Haustür oder nach dem Tod und für andere tief im Geheimnis Gottes.

Die leisen Kräfte sind es, die dich tragen, S. 33

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13. Juli

An einem frühen Morgen ging ich einmal durch einen nebelverhangenen Wald. Die Sträucher waren bedeckt mit zarten Spinnweben, und als die Sonne zwischen den Stämmen aufging, begannen die Fäden plötzlich, in allen Farben zu leuchten.

Als ich dieses Bild sah, ging mir durch den Kopf: So ähnlich muss es wohl aussehen, wenn wir einmal sterben.

Da leben wir eingefangen in Rätsel, in Leid und Angst und – vor allem – Schuld. Dann schließen wir unsere Augen, betreten einen schimmernden Durchgang und am Ende erwartet uns das Licht. Und wir werden – auferstehend – verwandelt sein in das Bild, das Gott meinte, als er uns schuf.

Dass aber dieses Bild sich in Umrissen zeigt, geschieht uns schon hier immer wieder.

Trauer hat heilende Kraft, S. 34 f.

14. Juli

Es gibt im Leben ein Gesetz, dass, wenn eine Tür sich schließt, eine andere sich auftut. Wenn nun die Türen, durch die wir hier gegangen sind, sich schließen, eine nach der anderen, dann lösen sich vor unseren Augen die Wände auf, in denen sich die Türen gedreht haben. Die Welt wird größer, als sie jemals für uns gewesen ist, das Licht einer anderen Wirklichkeit liegt über ihr, und unser Weg fängt noch einmal an.

Für diese Deutung gibt es natürlich keine Beweise, aber ich bin glücklich, dass mir im Lauf meines Lebens immer wieder Zeichen gegeben worden sind, an denen ich merken konnte, dass es so ist. Dass ich am Ende meiner Zeit auf der Erde hinübersehen werde über die Grenze. Dass ich eine große, andere Wirklichkeit auf mich zukommen sehen werde.

Wenn wir es so betrachten, sind Alter oder Krankheit keine Vorzeichen für ein Ende, sondern sie geben uns eine Ahnung von der wunderbaren Musik der Freiheit, die wir nach dem Schritt hinüber hören werden.

Was kommt nach dem Leben?, S. 44

Cover, Jörg Zink - Das Geschenk eines jeden Tages

Das Geschenk eines jeden Tages

Ein Jahresbegleiter

Innehalten und Nachdenken an jedem Tag des Jahres
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Die Einsicht, dass jeder Tag geschenktes Leben bedeutet, geht in der Hektik unseres Alltags leicht verloren. Mit einem Text für jeden Tag lädt dieser Jahresbegleiter ein, zur Ruhe zu kommen, Wesentliches zu bedenken und dann mit neuer Offenheit all dem zu begegnen, was der Tag uns schenkt.

Vergriffene neu bearbeitete und gestaltete Ausgabe 2015
des von Alexandra Reiter und Hildegunde Wöller
erstmals 2005 herausgegebenen Titels
Gebunden, 329 Seiten, 13 x 16,5 cm

Antiquarisch evtl. erhältlichamazon-logoZVAB-logo