Internetseite von Jörg Zink
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Das Geschenk eines jeden Tages

Ein Gedanke für heute, 21. Juni

Stille ist nicht einfach da, wenn einer sie sucht. Denn sie entsteht nicht von selbst, wo das äußere Leben zurücktritt, wo die Hast der Arbeit sich entfernt oder der Straßenverkehr verstummt. Das einsame Zimmer am Ferienort ist noch kein Ort der Stille, so wenig wie der abgelegene Raum des Kranken. Denn wo die äußere Welt schweigt, setzen die inneren Stimmen ein.

Eine Stille, der auf die Dauer unsere Liebe gehören kann, schließt immer etwas ein, das mehr ist als wir selbst: ein Gespräch mit einem Du. Sie bringt ein Wort oder ein Zeichen aus einer anderen Welt. Stille kommt nicht von selbst und nicht zufällig. Ohne Warten und Stillhalten geschieht nichts Erlösendes an uns.

Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages (1968), S. 18 f.

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19. Juni

Ich stehe am Fenster,
ich schaue hinaus
und will dich sehen, Gott.

Du hast das Glas gemacht,
durch das ich schaue. Du bist im Glas.
Du sendest den Wassertropfen.
der an der Scheibe herabläuft.
Du bist in ihm.
Du hast die Fliege gebildet,
die an der Scheibe sitzt.
Du bist in der Fliege.
Aus dir kommt der Wind, der hereindrängt,
wenn ich das Fenster öffne.
Du bist im Wind.
Wird der Wind zu stark,
so schließe ich das Fenster.
Ich nehme den Griff in die Hand.
Du hast die Hand gemacht,
die das Fenster schließt,
du bist in meiner Hand.

Aber wichtiger noch ist:
Das Glas und der Wassertropfen,
die Fliege und der Wind,
wir alle sind in deiner Hand.

In dir sein, Gott, ist alles, S. 39

20. Juni

Wir brauchen nichts Großes zu werden, wir brauchen weder berühmte noch geniale Menschen oder auch Heilige zu sein, sondern nichts als achtsame Hörer auf die Musik Gottes.

Deshalb sagt die Bibel: Höre! Höre, Israel!, und ordnet damit Gott und Mensch in ihr genaues Verhältnis.

So ist die Stille der Raum, in dem ein Wort ergeht. Denn wenn Gott ein sprechender Gott ist, dann ist das ganze Dasein und das ganze Universum ein Wort an uns. Alles redet, alles musiziert. Wir antworten mit unserem Glauben und mit dem Tanz unseres Lebens und bewegen uns mit alldem mitten im Sinn.

Dornen können Rosen tragen, S. 328

Cover, Jörg Zink - Das Geschenk eines jeden Tages

Das Geschenk eines jeden Tages

Ein Jahresbegleiter

Innehalten und Nachdenken an jedem Tag des Jahres
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Die Einsicht, dass jeder Tag geschenktes Leben bedeutet, geht in der Hektik unseres Alltags leicht verloren. Mit einem Text für jeden Tag lädt dieser Jahresbegleiter ein, zur Ruhe zu kommen, Wesentliches zu bedenken und dann mit neuer Offenheit all dem zu begegnen, was der Tag uns schenkt.

Neu bearbeitete und gestaltete Ausgabe 2015
des von Alexandra Reiter und Hildegunde Wöller
erstmals 2005 herausgegebenen Titels
Gebunden, 329 Seiten, 13,0 x 16,5 cm

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